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Zwischen Aktivismus und Aktivierung: Fotografien als Akteure in Geschichte und Forschung
PRIEM, Karin
2025
 

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Keywords :
Aktivismus; Fotografie; Mediengeschichte; Materialität; Edward Steichen; Werner Bischof; David Seymour
Abstract :
[de] Der französische Philosoph Roland Barthes (1985) formulierte in Bezug auf die analoge Fotografie die These: „Jegliche Photographie ist eine Beglaubigung von Präsenz.“ Er meinte damit all das, was auf einer Fotografie von einer vergangenen Wirklichkeit faktisch zu sehen ist. Was allerdings die Bedeutung des Dargestellten anbelangt, so warnte er eindringlich davor, dass fotografische Bilder durchaus „lügen“ können. Ganz ähnlich betonte der britische der Foto-Historiker John Berger (2009), dass Fotografien per se keine Bedeutung enthalten, sondern lediglich das zeigen, was in einem kurzen vergangenen Moment unmittelbar in Erscheinung getreten ist. Fotografien geben also, mit Hayden White (1980) gesprochen, für unsere Narrative und Interpretationen keine zwingende Form vor. Der Fokus dieses Beitrags auf Fotografien als Akteure impliziert, dass die von Roland Barthes und John Berger angerissenen Fragen nach der Präsenz bzw. Faktizität sowie der Interpretation bzw. Bedeutung fotografischer Darstellungen nicht die primären Ausgangspunkte dieses Beitrags sind. Statt dessen wird aus mediengeschichtlicher Perspektive die Materialität und die soziale Dimension von Fotografie behandelt. Es geht um praxeologische Aspekte und nicht darum etwas Essentielles aus den Fotos selbst zu extrahieren. Statt dessen wird gefragt, wie Fotografie funktioniert, wie fotografische Bilder in Beziehung treten und welche ihrer materiellen und technologischen Eigenschaften dies ermöglichen. Der Beitrag widmet sich zunächst eher allgemein der Materialität, Medialität und Relationalität und damit dem Objektcharakter und der sozialen Dimension von Fotografie. In einem zweiten Schritt geht es um ein Kinder-Fotobuch aus den Vereinigten Staaten von Amerika (U.S.A.). Genauer gesagt, um das von Mary Steichen Calderone und Edward Steichen herausgegebene The First Picture Book: Everyday Things for Babies. Das Buch kam im New York der 1930er Jahre in der progressiven frühkindlichen Erziehung zum ersten Mal zum Einsatz. In einem zweiten Beispiel behandelt der Beitrag ein Fotoprojekt des schweizerischen Fotografen Werner Bischof. Bischof hat unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs für die schweizerische Zeitschrift Du Foto-Reportagen über die Situation in Europa durchgeführt. Hier stehen die sozialen Impulse und die Biografie eines einzelnen fotografischen Portraits, das Bischof in der holländischen Kleinstadt Roermond gemacht hat, im Mittelpunkt. In einem letzten Schritt geht es um ein von der UNESCO im Jahre 1950 angeregtes Fotografie-Projekt David Seymours. Seymour dokumentierte den Kampf gegen Analphabetismus in Süditalien. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Frage wie Fotografien gemacht werden und wie dieser Prozess als soziale Aktivität verstanden werden kann. Insgesamt plädiert der Beitrag dafür, dass das Fotografieren als soziale Praxis und Fotografien auch als soziale Akteure untersucht werden müssen. Man sollte also davon absehen, ausschließlich Bedeutung aus den Fotos selbst zu extrahieren, denn man würde die Eigenlogik und enorme Dynamik des Mediums so nicht verstehen. Stattdessen sollte sich die Fotografie-Geschichte bewusst den medialen, materiellen, technologischen und sozialen Dimensionen der Fotografie widmen, weil man nur so die Prozesse und Netzwerke der Bedeutungsherstellung verstehen kann, in die visuelle Dokumente aktiv verwickelt sind. Dabei haben Fotografien ein langes Leben, sie treten immer wieder in neuen Kontexten auf, gehen neue Beziehungen ein und generieren neue Bedeutungen.
Research center :
Luxembourg Centre for Contemporary and Digital History (C2DH) > Public History and Outreach (PHO)
Disciplines :
History
Author, co-author :
PRIEM, Karin  ;  University of Luxembourg > Luxembourg Centre for Contemporary and Digital History > Public History and Outreach > Team Stefan KREBS
Language :
German
Title :
Zwischen Aktivismus und Aktivierung: Fotografien als Akteure in Geschichte und Forschung
Publication date :
10 September 2025
Event name :
Aktivismus als Gegenstand der Historischen Bildungsforschung
Event organizer :
Sektion Historische Bildungsforschung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft
Event place :
Landau /Pfalz, Germany
Event date :
September 9–10, 2025
Event number :
Jahrestagung Historische Bildungsforschung Deutschland
Available on ORBilu :
since 30 December 2025

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