Abstract :
[de] Zusammenfassung
In diesem Beitrag diskutieren wir sozialpädagogische Verhältnisse zwischen menschenrechtsorientierter Befähigung und individualistischer Fähigkeitsorientierung mit möglichen exkludierenden Folgen. Diese Diskussion führen wir mit Bezügen auf zwei aus unserer Sicht für die Sozialpädagogik zentrale, jedoch nicht gleichermaßen etablierte Ansätze: Capabilities Approach (CA) und Ableismkritik. Während Ersterer aus der Sozialpädagogik nicht mehr wegzudenken ist, finden ableismkritische Auseinandersetzungen erst nach und nach Eingang in die sozialpädagogische Fachdebatte. Bei CA und Ableismkritik handelt es sich um entstehungsgeschichtlich sowie konzeptuell unterschiedliche Ansätze, deren Relevanz sich, wie wir am Beispiel der Ganztagsschule herausarbeiten, komplementär zueinander verhält. Während die Auseinandersetzung mit Ableism als Modus der Kritik an struktureller Unterdrückung entlang von (Nicht‑)Behinderung dient, kann der CA zur theoretischen Rahmung der Einforderung menschenrechtsorientierter Befähigungsmöglichkeiten genutzt werden. Wir befassen uns explizit mit diesen beiden Ansätzen, weil sie unterschiedliche Blickwinkel auf und sozialpädagogische Lesarten von Fähigkeit und Befähigung ermöglichen. In unserem Beitrag skizzieren wir CA und Ableismkritik und stellen davon ausgehend Bezüge und Grenzziehungen zu und zwischen den beiden von uns in den Blick genommenen Ansätzen her. In der Folge entwickeln wir anhand dreier spezifischer Vertiefungen im Kontext von Ganztagsschule sozialpädagogische Lesarten der Verhältnisse von Befähigung und/oder Ableism, die zu einer differenzierteren Diskussion von Bildung und Fähigkeit beitragen. Die gemeinsame Betrachtung von Capabilities und Ableism eröffnet Forschungsperspektiven für eine Sozialpädagogik, die sowohl befähigende wie auch exkludierende Fähigkeitsorientierungen berücksichtigt und Fähigkeitsungerechtigkeiten hinsichtlich der Dimension (Nicht‑)Behinderung sowie darüber hinaus sichtbar machen kann.