[de] Es wird untersucht, wie Kant seine Theorie der Erkenntnisquellen begründet und ob die Kritik der Idealisten, insbesondere diejenige Hegels, am Kantischen Stämmedualismus ihre Berechtigung hat. Im ersten Teil dieses Beitrags wird zunächst das Potential der durchaus vorhandenen Kantischen Begründung für die Unterscheidung von Sinnlichkeit und Verstand als Erkenntnisquellen ausgelotet. Der Fokus liegt hier auf dem Isolationsargument, wie ich es nennen werde, demzufolge Sinnlichkeit und Verstand jeweils irreduzible Quellen der Erkenntnis sind. Aus der meines Erachtens stichhaltig begründeten Irreduzibilität der Erkenntnisquellen folgt, dass eine Kritik an Kants Theorie insbesondere die Irreduzibilität von Sinnlichkeit und Verstand unterminieren muss. Im zweiten Teil werde ich zunächst einige der zentralen idealistischen Einwände gegen die Kantische Theorie der Erkenntnisquellen skizzieren und mich dann dem meines Erachtens entscheidenden Einwand, dem Psychologismuseinwand Hegels, zuwenden. Hier geht es um die für die klassische deutsche Philosophie zentrale Frage, ob Hegel vor allem in der Lehre vom Begriff der Wissenschaft der Logik gegen Kant den Nachweis erbringt, dass die Sinnlichkeit bzw. Anschauung durch den Begriff dispensiert und damit die transzendentale Theorie der Erkenntnisquellen logisch-spekulativ aufgehoben wird. Gelingt dieser Nachweis nicht, wie im Fazit abschließend überlegt werden soll, dürfte Hegel seinem Anspruch einer spekulativen Überwindung des Kantischen Idealismus in einem zentralen Punkt nicht gerecht werden.
Disciplines :
Philosophy & ethics
Author, co-author :
HEIDEMANN, Dietmar ; University of Luxembourg > Faculty of Humanities, Education and Social Sciences (FHSE) > Department of Humanities (DHUM) > Philosophy
External co-authors :
no
Language :
German
Title :
Sinnlichkeit und Verstand. Kants Theorie der Erkenntnisquellen und Hegels Kritik
Publication date :
2025
Main work title :
Verstand und Sinnlichkeit in der klassischen deutschen Philosophie