Reference : Experimente unerwünscht!?! Sonntagsfilme der Konsumgesellschaft im lokalen Wettbewerb...
Scientific Presentations in Universities or Research Centers : Scientific presentation in universities or research centers
Arts & humanities : History
http://hdl.handle.net/10993/46220
Experimente unerwünscht!?! Sonntagsfilme der Konsumgesellschaft im lokalen Wettbewerb mit ambitioniertem Autorenfilm 
German
[en] Experiments undesired? The consumption society's Sunday home movies in competition with ambitious films d'auteurs
Wack, Julia mailto [University of Luxembourg > Faculty of Language and Literature, Humanities, Arts and Education (FLSHASE) > Identités, Politiques, Sociétés, Espaces (IPSE) >]
May-2019
18
International
Popkult60 Research Group Workshop on Mainstream and AvantGarde
03/05/2019
C2DH
Esch-sur-Alzette
Luxembourg
[en] Popular Culture ; Amateur Film ; 1960s
[de] Aufgrund einer großen Anzahl unterschiedlicher Definitionen des Avantgarde-Begriffes in verschiedenen Feldern durch die Jahrzehnte ist es von Vorteil sich zunächst auf einige grundlegende Parameter zu einigen, die den Begriff ein- und abgrenzen, bevor er Eingang in die Debatte findet.
Mit dem Mainstream verhält es sich etwas einfacher, denn obschon seine Begrifflichkeit sehr weitläufig ist, ist er in sich homogener und Teil des Alltagsdiskurses geworden.
Sind eine Vorreiterrolle, oder auch ein Bestreben nach sozialer Neuerung und politischem Umschwung, Abkehr von Traditionen, Elemente die man in der Praxis der Amateurfilmclubs der Großregion in den 60er Jahren findet?

Das Amateurfilmen erfreute sich in Folge neuester Entwicklungen in der Schmalfilmtechnologie in den langen 60er Jahren großer Beleibtheit, in- und außerhalb des Vereinskontexts
Es war unter anderem dieser technische Fortschritt, der, neben neuerlich erschwinglichem Material, vereinfachter Handhabung und verbesserter Qualität, einlud, inhaltliche, technische und künstlerische Experimente zu unternehmen. Während der Großteil der Clubmitglieder sich auf ähnliche Motive wie seine Kollegen außerhalb der Vereine beschränkte, bspw. Familienfeiern, -ausflüge oder Reisen, fühlten sich einige Mitglieder zur Filmautorenschaft berufen und kreierten als Drehbuchautor, Regisseur und Kameramann in Personalunion anspruchsvollere Filmwerke; hauptsächlich zur Vorführung in vereinsinternen, regionalen, nationalen und internationalen Wettbewerben.
Doch auch innerhalb dieses aufwendiger produzierten Werkkorpus’, der v.a. der Übersetzung der zeitgenössischen Alltagskultur auf Zelluloid Raum gab, wurde nur eine geringe Anzahl von Filmen, die avantgardistische Merkmale aufweist, produziert. Die wenigsten waren visuell, inhaltlich oder technisch radikal oder innovativ jenseits bekannter Lesweisen.
Im Gegenteil gab es Ausnahmefälle kommerzieller Auftragsarbeiten, oder Amateurproduktionen, die im Nachhinein vom Fernsehen aufgekauft wurden.

Die Filmarbeiten verschiedener Genres waren oft nur innerhalb der Vereinsarbeit möglich, da ambitionierte Produktionen nach Arbeitsteilung und Kooperation ähnlich dem professionellen Sektor verlangten. Zum einen tauschten die Amateure sich über Schnitt-, Licht- oder Montagetechniken aus, zum anderen wurden Aufgaben wie Beleuchtung und Ton oder Kulissenbau aufgeteilt, viele Filme so zu Gemeinschafts-produktionen. Neben dieser mehr industrialisierte, organisierte Form des Amateurfilms, die oft auf die Rezeption des Publikums und die Bewertung durch eine Jury Gleichgesinnter abzielte, und so die dem Amateur eigene Autonomie vom Filmbetrieb aufgab; gab es wenige Versuche, Filme, die nicht dem üblichen Narrativkonstrukt der ‘Standard-Version’ des kommerziellen Produktionswesens entsprachen, zu drehen.

In Hochzentren kultureller Produktion wie New York, London, Paris oder Los Angeles kam es zu gelegentlichem Austausch zwischen Amateur- und kommerzieller sowie nicht-kommerzieller Filmproduktion, welche sich jeweils beeinflußten.
Da die Großregion dieser Jahre bezüglich kultureller Produktion und Amateurpartizipation getrost als Peripherie bezeichnet werden kann, mag einer der Gründe für die geringe Repräsentation innovativer oder experimenteller Filmarbeiten die geringe Abdeckung durch Kunst-und Filmakademien sein, die einen Austausch, wie er der Avantgarde eigen ist, hätten anregen können.
Doch auch international und in größeren Städten existierte kaum eine lebendige Avantgarde-Szene innerhalb von Amateurfilmklubnetzwerken.
Weitere Gründe, die sich überregional anwenden lassen, könnten daher die Institutionalisierung (gegen die die Avantgarde generell anging) durch die Club- und Verbandsstruktur und das Wettbewerbsverhalten, das mit ‘Mainstreaming’ einher geht; sowie die Demografie der Clubs sein. Letztere war in der Großregion - wie international - stark homogen (was wiederum in Kontrast mit der Avantgarde steht) und von technisch interessierten, arbeitenden Männern mittleren und fortgeschrittenen Alters - d.h. kulturell während und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg sozialisiert - bestimmt.

Neben den eigentlichen Filmquellen ist auch das Vereinsleben Teil der Recherchen: Unterscheidet sich das Sozialleben der Mitglieder eines Filmclubs von dem eines Sportvereins und findet die populärkulturelle Sozialisation der Mitglieder und ihrer Angehörigen Eingang in Vereinsleben und Filmproduktionen?
IHist
Fonds National de la Recherche - FnR
Popkult60
Researchers
http://hdl.handle.net/10993/46220
FnR ; FNR11595363 > Andreas Fickers > POPKULT60 > Populärkultur transnational. Europa in den langen 1960er Jahren > 01/04/2018 > 31/03/2022 > 2017

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