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See detailChancen und Barrieren Inklusiver Bildung im Vergleich: Lernen von Anderen
Powell, Justin J W UL

in Schriftenreihe Eine für Alle — Die inklusive Schule für die Demokratie (2018), 3

Das Menschenrecht auf Inklusive Bildung als globale Norm – und als Thema der Bildungsforschung in Deutschland. Die hohe und gestiegene Bedeutung Inklusiver Bildung für Gesellschaften und Individuen wird ... [more ▼]

Das Menschenrecht auf Inklusive Bildung als globale Norm – und als Thema der Bildungsforschung in Deutschland. Die hohe und gestiegene Bedeutung Inklusiver Bildung für Gesellschaften und Individuen wird global, national, regional und lokal von verschiedensten Akteur*innen hervorgehoben und medial sehr breit rezipiert—und zunehmend auch wissenschaftlich multidisziplinär diskutiert. Durch Initiativen wie „Education for All“ (UNESCO, 2015), die Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung der Vereinten Nationen (UN-BRK, seit 2006), welche inklusive Bildung als Menschenrecht verankert, oder die UN Millennium Development Goals (www.un.org/millenniumgoals) wird das Thema Inklusion verstärkt in Bildungspolitik und -praxis aufgegriffen. Innerhalb einer Dekade haben über 170 Länder die UN-BRK ratifiziert (United Nations, 2017). Artikel 24 definiert Inklusive Bildung als Menschenrecht: „Die Vertragsstaaten (sichern)... den Zugang zu einem inklusiven, hochwertigen und unentgeltlichen Unterricht“ (Art. 24, UN-BRK). Damit wird inklusive Bildung zur globalen Norm und zum einklagbaren Recht entlang des Lebenslaufs. In diesem Beitrag wird anhand ausgewählter Vergleiche aufgezeigt, wie sich die Expansion und Persistenz der schulischen Segregation anstatt der Ausweitung der Inklusion vollzieht. Dabei wurde ein langsamer Wandel statt Transformation dieser komplexen Bildungssysteme konstatiert. Im Ländervergleich wurden immer wieder markante Divergenzen festgestellt, wonach die unterschiedlichen „institutionellen Logiken“ dieser Systeme sichtbar wurden. Abschließend lässt sich festhalten, dass die Förderquote wohl weiter steigen wird wegen größerem Bedarf (oder wahrgenommenen Förderbedarfs), erhöhter Standards und gesteigerter Rechenschaftspflicht als Teile der Governance von Bildung. Sonderpädagogische Förderung nimmt seit Jahrzehnten weltweit zu, oft in Sonderschulen oder -klassen. Es mag paradox erscheinen, dass gleichzeitig sowohl segregierende als auch inklusive Lernumwelten expandieren. Der Grund: Die Verflechtung und Wechselwirkungen zwischen sonderpädagogischen Fördersystemen, allgemeiner Bildung und anderen Institutionen sowie die Interessen der beteiligten Professionen verhindern die Transformation hin zur schulischen Inklusion für alle. Gleichzeitig schreitet dennoch auch in den Bildungssystemen, die hochgradig selektiv und segregiert sind, Inklusive Bildung voran. Vergleichende Forschung verdeutlicht vielfältige Grenzen, aber auch Facilitatoren der Inklusion auf unterschiedlichen Ebenen. Die Ratifizierung der UN-BRK in Deutschland hat die Notwendigkeit unterstrichen, die Bildungssysteme auf Länder- und lokaler Ebene umzubauen und den Wandel zu erforschen. Die UN-BRK stärkt Advokaten der Inklusiven Bildung nachhaltig. Auch aufgrund des Bil- dungsföderalismus wird die Implementierung weiterhin ein schrittweiser, pfadabhängiger Prozess und keine fundamentale Transformation sein. Gerade in föderalen Ländern wie Deutschland und den USA gibt es eine Persistenz einzelstaatlicher Disparitäten trotz (inter-)nationaler Ziele, Normen und völkerrechtlicher Verträge, die es weiter zu untersuchen und zu implementieren gilt. Die Chance, die solche Systeme bieten, ist die Kontrastierung der diversen Pfade hin zur Inklusiven Bildung und die Chance zur Politik der Vielfalt, die zu einer Schule für alle und zur Pädagogik der Vielfalt passt. [less ▲]

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