Reference : Die Erfindung der Grenze. Zur Konstruktion von Herrschaftsgebieten auf Regionalkarten...
Scientific congresses, symposiums and conference proceedings : Unpublished conference
Arts & humanities : History
http://hdl.handle.net/10993/36760
Die Erfindung der Grenze. Zur Konstruktion von Herrschaftsgebieten auf Regionalkarten des 16. Jahrhunderts im Westen des Reiches.
German
Uhrmacher, Martin mailto [University of Luxembourg > Faculty of Language and Literature, Humanities, Arts and Education (FLSHASE) > Identités, Politiques, Sociétés, Espaces (IPSE) >]
28-Sep-2018
Yes
Yes
International
Gespaltene Gesellschaften. Deutscher Historikertag 2018
from 26-09-2018 to 28-09-2018
Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands
Münster
Deutschland
[de] Grenze ; Grenzen ; Karten ; Geschichte ; Historische Kartographie ; Mittelalter ; Frühe Neuzeit ; Luxemburg ; Großregion
[en] Border ; Borders ; Maps ; Historical Cartography ; History ; Middle Ages ; early modern time ; Luxembourg ; Greater Region
[en] Im Spätmittelalter war das Reich durch Prozesse der Territorialisierung geprägt. Vor allem in den größeren Landesherrschaften wurde versucht, der Zersplitterung von Rechten und Besitzungen entgegenzuwirken und Herrschaft zu verdichten. Im Westen des Reiches blieb man jedoch auf dem Weg zum Territorialstaat zumeist noch weit von einer flächigen Durchsetzung von Herrschaft entfernt. Die territorialen Verhältnisse lassen sich häufig als Gemengelage aus sich überlagernden Herrschaftsrechten, Hochgerichtsbezirken, Gemeinherrschaften, umstrittenen Gebieten oder anderen Abhängigkeiten beschreiben. Eine kartographische Erfassung dieser komplexen und mehrdimensionalen räumlichen Strukturen war mit den Mitteln der damaligen Zeit nicht möglich.
Der Aufschwung einer zunehmend wissenschaftlich geprägten Kartographie ab der Mitte des 15. Jahrhunderts erlaubte es den Landesherren, kartographischer Darstellungen als Instrumente von Macht und Herrschaft zu nutzen: einerseits als Grundlage für die politische und wirtschaftliche Entwicklung des Territoriums, andererseits als Medium zur Verbreitung territorialer Ansprüche und zur Inszenierung von Herrschaft.
Aus diesem Grund wurden einige der bekanntesten zeitgenössischen Kartographen mit der räumlichen Darstellung einzelner Fürstentümer beauftragt, bspw. Martin Waldseemüller durch Herzog René II. von Lothringen. Diese Aufgaben stellten die Kartographen vor große Probleme, denn noch gab es keine geeigneten Mittel, mit denen die politischen und territorialen Verhältnisse im Kartenbild auch nur annähernd widergegeben werden konnten.
Eine Analyse ausgewählter Karten zeigt, welche verschiedenen Strategien angewandt wurden, um den fragmentarischen Besitz der Auftraggeber in seiner Gesamtheit als geschlossenes Herrschaftsgebiet erst zu konstruieren. Diese Experimentierphase endete Mitte des 16. Jahrhunderts mit der Etablierung von Grenzen in Form von Linien als allgemein gültiger Konvention, obwohl Territorialgrenzen im Sinne einer umfassenden Scheidelinie zwischen zwei Territorien in dieser Zeit nicht existierten.
Der Vortrag widmet sich einer Fragestellung, die in Folge des spatial turn zwar wieder verstärkt in den geschichtswissenschaftlichen Fokus gelangte, aber in vieler Hinsicht noch nicht gründlich genug aufgearbeitet ist. Es gilt, historische Karten als vielschichtige, Schrift und Bild vereinende Wissensträger verstärkt auf Ihre Funktion bei der Ausbildung von politischen Räumen und Einheiten in den Blick zu nehmen. Denn sie müssen stets als bewusste Konstruktionen und keinesfalls als Versuch eines - gemessen an den jeweiligen technischen Möglichkeiten - quasi photographischen Abbildes der Realität verstanden und interpretiert werden. Die mit den Karten vermittelten und durch deren Druck auch weit verbreiteten Inszenierungen von geschlossenen Territorialstaaten erwiesen sich zudem als sehr wirkmächtig und prägend, teilweise bis zum Ende des Alten Reiches.
Den zugrundeliegenden Strukturen und Prozessen wird im Rahmen des Vortrags besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
Researchers ; Professionals ; Students
http://hdl.handle.net/10993/36760
https://www.historikertag.de/Muenster2018/

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