Reference : Fremde Formen – neue Sprache. Zum innovativen Potential afrikanischer Kunst in Einste...
Scientific Presentations in Universities or Research Centers : Scientific presentation in universities or research centers
Arts & humanities : Literature
Multilingualism and Intercultural Studies
http://hdl.handle.net/10993/36539
Fremde Formen – neue Sprache. Zum innovativen Potential afrikanischer Kunst in Einsteins 'Negerplastik'
German
Wiegmann, Eva mailto [University of Luxembourg > Faculty of Language and Literature, Humanities, Arts and Education (FLSHASE) > Identités, Politiques, Sociétés, Espaces (IPSE) >]
6-Sep-2018
International
EAM-Konferenz »Realisms of the Avant-Garde«
5-7.09.2018
Universität Münster
Münster
Germany
[de] Avantgarde ; Carl Einstein ; Sprachkrise
[en] Afrikanische Kunst ; Postkolonialismus
[en] Carl Einstein wendet sich auf seiner sprachskeptischen Suche nach neuen literarischen Ausdruckformen der afrikanischen Kunst zu. In ihrer Andersartigkeit, die sich im Kontext europäischer Kunstgeschichte überformten Bedeutungszuschreibungen entzieht, scheint sie ihm ein Weg zu sein, zu einer vorurteilsfreien Wahrnehmung dessen, was ist, zu gelangen und sich von inadäquat gewordenen Begriffsbildungen zu lösen.
In der Negerplastik (1915) – so die hier vertretene These – wird der, in den theoretischen Essays Einsteins geforderte, avantgardistische Konventionsbruch und die Forderung nach einer Modernisierung der Anschauung (als Anpassung an den erkenntnistheoretischen Paradigmenwechsel) gezielt über eine interkulturelle Konstruktion verhandelt. Der von Schmidt-Möbus vertreten These, dass afrikanische Kunst in der Negerplastik „gar nicht als solche einer fremden Kultur“ behandelt würde, ist insofern nicht zuzustimmen. Auch wenn ethnologische Kriterien für Einstein keine Rolle spielen, so ist doch der Fremdheitscharakter der afrikanischen Kunst und ihre Widerständigkeit gegen europäische Darstellungskonvention von ganz entscheidender Bedeutung. Als das Andere zur abendländischen Kunstgeschichte entzieht sie sich der permanenten Reproduktion einer bestimmten genealogischen Denkart (und nimmt in diesem Punkt poststrukturalistische Positionen vorweg). Einem tradierten Kunst- und Literaturverständnis wird hier die afrikanische Formensprache in ihrer Andersartigkeit entgegengesetzt, als unverfügbar postuliert (geschichtslos, kontextlos, etc.) und das Nichtwissen über die afrikanische Kunst und Kultur in den Vordergrund gestellt – was aus postkolonialer Perspektive durchaus kritisch gesehen werden muss. Weiterführend wird hier im Hinblick auf den literarischen (und künstlerischen) Primitivismus ein Desiderat der Interkulturalitätsforschung erkennbar, denn: Ein Text kann einen problematischen Umgang mit Fremdheitskonstruktionen aufweisen und zugleich kulturelle Differenzen auf literarästhetischer Ebene auf unnachahmliche Weise produktiv machen.
Researchers
http://hdl.handle.net/10993/36539

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