Reference : Internationalisierung des Luxemburger Wohnungsmarkts: Chance oder Hürde für Alternativen?
Scientific Presentations in Universities or Research Centers : Scientific presentation in universities or research centers
Social & behavioral sciences, psychology : Human geography & demography
http://hdl.handle.net/10993/32605
Internationalisierung des Luxemburger Wohnungsmarkts: Chance oder Hürde für Alternativen?
German
Becker, Tom mailto [University of Luxembourg > Faculty of Language and Literature, Humanities, Arts and Education (FLSHASE) > Identités, Politiques, Sociétés, Espaces (IPSE) >]
Christmann, Nathalie mailto [University of Luxembourg > Faculty of Language and Literature, Humanities, Arts and Education (FLSHASE) > Identités, Politiques, Sociétés, Espaces (IPSE) >]
Sep-2017
International
Deutscher Kongress für Geographie
from 30-09-2017 to 05.10.2017
Tübingen
Germany
[de] Luxemburg ; Internationalisierung ; Wohnungsmarkt
[de] Die internationale Ausrichtung von Städten wirkt sich vielfach als Problem für Wohnungsmärkte aus. Die steigende Nachfrage führt zu Angebotsverknappungen und direkten wie indirekten Folgeeffekten im Markt insgesamt. Auf diese Weise entwickelt sich das Wohnungswesen zunehmend kritisch.

Der Beitrag diskutiert dieses Problem am empirischen Beispiel Luxemburgs, einem stark internationalisierten Kleinstaat und bedeutenden Finanz- und EU-Standort. In Luxemburg gilt der Erwerb von Wohneigentum zwecks Wertsteigerung nach wie vor als Credo einer stark liberalistisch geprägten, konservativen Wohnungsbaupolitik. Zugleich stellt dies für viele Luxemburger als auch für die stetig wachsende Anzahl der im Großherzogtum ansässigen Ausländer die Grundlage für lukrative Vermögensanlagen dar. Seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise steht die Anwerbung ausländischer Investoren zunehmend auf der wirtschaftspolitischen Agenda. Die ökonomische Stabilität des Landes und die relative Sicherheit von Immobilieninvestitionen fördern diese Entwicklung. Öffentlicher Wohnungsbau ist nach wie vor eine Randerscheinung. Die einzige Antwort, die in dieser Situation zu einem Konsens führt, sind Baulückenprogramme, verdichtetes Wohnen und urbane Großprojekte.

Diese profitorientierte Wirtschaftsentwicklung ist im europäischen Kontext nicht einzigartig. Sie führte jedoch in diesem spezifischen Fall in der Vergangenheit zu beispiellosen Folgen: Bezogen auf die geringe Größe des Landes und im Licht eines starken, primär migrationsbedingten Bevölkerungsanstiegs, wachsender Einkommensunterschiede und einem immer stärker werdenden Nachfrageüberhang, wird bezahlbarer Wohnraum zunehmend knapp. Dieser Trend zeichnet sich nicht nur im Ballungsgebiet der Hauptstadt ab, sondern indes auch in ländlich geprägten, peripheren Gebieten des Kleinstaats. Bisher vorherrschende Machtverhältnisse, Ideologien und Kulturen geraten immer mehr unter Druck. Spannungen zwischen Mehrheiten und Minderheiten, Eigentümern und Mietern werden immer deutlicher, aber deren Aushandlung spielt sich oftmals in einem Vakuum ab. Die Verschuldung der Haushalte steigt weiter an. Nach der globalen Finanzkrise haben sich jedoch einige bottom-up Wohnungsbauinitiativen gegründet. Sie tragen dazu bei, den Diskurs über die Wohnungsfrage öffentlich auszutragen und bieten somit die Chance für die Etablierung von alternativen Wohnmodellen. Die Aushandlungsprozesse um diese neuen Bewältigungsstrategien finden jedoch statt in einem Setting, in dem die Devise „der Markt wird es schon richten“ seit Jahren die Politik (beg)leitet. Ihre Implementation ist langwierig. Die Kombination von sozioökonomischen Rahmenbedingungen, starken Interessengruppen sowie informellen Arrangements hat zu institutionellen Lock-Ins geführt, die eine Hürde für die Etablierung von Alternativen darstellen.
University of Luxembourg
Researchers
http://hdl.handle.net/10993/32605

There is no file associated with this reference.

Bookmark and Share SFX Query

All documents in ORBilu are protected by a user license.