Reference : Gekreuzte Lebenswege, gebrochene Identitäten. Intersektionale Betrachtungen zu Konrad...
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Arts & humanities : Literature
http://hdl.handle.net/10993/26013
Gekreuzte Lebenswege, gebrochene Identitäten. Intersektionale Betrachtungen zu Konrad Flecks "Flore und Blanscheflur"
German
Bendheim, Amelie mailto [University of Luxembourg > Faculty of Language and Literature, Humanities, Arts and Education (FLSHASE) > Identités, Politiques, Sociétés, Espaces (IPSE) >]
Schuh, Dominik [Johannes Gutenberg-Universität Mainz]
2017
Abenteuerliche ‚Überkreuzungen‘: Vormoderne intersektional
Böth, Mareike
Mecklenburg, Michael
Schul, Susanne
Verlag V&R-unipress
Aventiuren, Bd. 12
No
978-3-8471-0724-8
Göttingen
Deutschland
[de] Intersektionalität ; Flore und Blanscheflur
[de] Liebeserzählungen – dies lässt sich zumindest für die Vormoderne deutlich sagen – benötigen stets eine Kategorie sozialer Ungleichheit: Geschlecht. Dies gilt auch für die Gattung des Minne- und Aventiurerromans, der Konrads Fleck Flore und Blanscheflur (Anf. 13. Jhdt.) zuzurechnen ist. Der Text spielt strukturell das kreisförmige Schema von Trennung und Wiedervereinigung durch und ruft zugleich auf semantischer Ebene vertraute Gegensatzpaare auf. Insofern die Trennung der Liebenden nicht allein als eine räumliche sondern auch als eine soziale inszeniert wird, geraten neben der Differenzkategorie ‚Geschlecht‘ auch die Kategorien
‚Religion/Kultur‘ und ‚Stand/Freiheit‘ in den Blick. Im Sinne einer Distanzierung der Protagonisten voneinander werden diese Kategorien mit Beginn der Erzählung relevant gesetzt und fortlaufend reproduziert. Die auf diese Weise einander gegenübergestellten Identitäten von Flore und Blanscheflur werden jedoch nachfolgend im Modus der Minne miteinander vereint, die als soziale Differenzen einebnende Macht auftritt.
Steht im Kern unseres Ansatzes die Frage, wie den Protagonisten zugeschriebene Identitätsmarker als Minnehindernisse aufgehoben werden, so ist zunächst dezidiert zu untersuchen, welche Mittel der Text einsetzt, um die Ungleichheit der Liebenden überhaupt erst zu produzieren. Als wesentliche Grundlage der Zuschreibungsprozesse dient dabei augenscheinlich die Genealogie, wird doch die Ungleichheit der Liebenden nicht primär durch ihnen eigene Attribute und von ihnen geübte Praktiken produziert, sondern folgt vielmehr aus den Attributen und Praktiken ihrer jeweiligen Eltern. Dies lässt die Vorgeschichte (die Geschichte ihrer Herkunft) in den Fokus der Untersuchung treten, die die Identität der Protagonisten bereits vor deren Geburt, ihrem eigentlichen Erscheinen auf der Erzähloberfläche, sozial bestimmt. Zugleich werden mit diesem Ereignis, das als schicksalhaft deutlich erkennbar ist (Geburt der Liebenden zu gleicher Stunde, an gleichem Tag) die Ungleichheitskategorien um eine Gemeinsamkeit ergänzt und mithin unterlaufen, findet die nachfolgend dargestellte Sozialisation der Hauptfiguren doch zusammen und nahezu gleichförmig statt.
Im hier skizzierten Beitrag sollen folglich zunächst die in der Erzählung wirksamen Kategorien der Ungleichheit anhand der Vorgeschichte, in der ihr Zusammenspiel sowie ihre Verschränkungen am Offensichtlichsten hervortreten, herausgearbeitet werden. Ergänzend wird die „Schachspielepisode“ herangezogen, die als zentrale Verhandlungsstelle der Männlichkeitskonzeption im Text von besonderer Relevanz ist.
Auf der Grundlage der Analyse der intersektionalen Strukturen innerhalb des Konradschen Romans ist weiterführend zu untersuchen, wie durch die Darstellung der personalen Minnebeziehung der Protagonisten zugleich eine gesamtgesellschaftliche Thematik zur Diskussion gestellt wird, die ein spezifisches Konzept der Repräsentation und Legitimation von Herrschaft sowie die damit verbundene politisch-gesellschaftliche Identität prolongiert.
http://hdl.handle.net/10993/26013

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