Reference : Die Performativität ethnografischen Schreibens zwischen doing adulthood und 'subversi...
Scientific congresses, symposiums and conference proceedings : Unpublished conference
Social & behavioral sciences, psychology : Sociology & social sciences
http://hdl.handle.net/10993/22061
Die Performativität ethnografischen Schreibens zwischen doing adulthood und 'subversiver' agency von Kindern
German
[en] The performativity of ethnographic writing between doing adulthood and the 'subversive' agency of children
Schnoor, Oliver []
Seele, Claudia mailto [University of Luxembourg > Faculty of Language and Literature, Humanities, Arts and Education (FLSHASE) > Integrative Research Unit: Social and Individual Development (INSIDE) >]
25-Sep-2015
Yes
International
Reflexive Perspektiven auf die Forschungspraxen der Soziologie der Kindheit
24-09-2015 to 26-09-2015
Sektion Soziologie der Kindheit der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
Halle (Saale)
Germany
[en] ethnographic writing ; sociology of childhood ; performativity
[de] Erwachsenheit wird nicht zuletzt durch Macht und Kontrolle über Ordnungen des Sprechens und Schweigens hergestellt; in Erziehungsinstitutionen ist hierin in unterschiedlicher Weise auch das Schreiben eingebunden. So werden diese Ordnungen etwa in der frühpädagogischen Praxis verstärkt in den Praktiken der Beobachtung und Dokumentation aufgeführt. In der Bemühung, die Beobachtungspraxis performativ auch als solche kenntlich zu machen, wird die Schriftproduktion tendenziell als schweigend zu vollziehende Handlung verstanden (Schulz 2013). Die Schreibaktivität hebt bereits hervor, dass ein Wissen vor den anderen Anwesenden, zuerst den beobachteten Kindern, (vorerst) verborgen wird, und betont damit die generationale Differenz. Zugleich ist Schriftsprache in Betreuungssettings der frühen Kindheit überhaupt ein Privileg der Erwachsenen.

Auch die ethnografische Feldforschung besteht zu einem guten Teil aus einer öffentlich sichtbaren Praxis des Schreibens. Während die Forschenden in Projekten, die eine „starke Teilnahme“ bevorzugen, bzw. in Feldern, die keine Beobachterrollen vorsehen, das Notizenmachen eher zurücknehmen oder gar verbergen werden (vgl. Breidenstein et al. 2013); so wird es in erziehungswissenschaftlichen Projekten hingegen meist offen und selbstverständlich praktiziert. Dabei haben die Materialien und Bewegungen des Aufzeichnens eine gleichsam natürliche Nähe zu wesentlichen Teilen des Geschehens in pädagogischen Feldern.

Die Schreibpraktiken der professionellen Beobachtung und Dokumentation sind bereits eingehend untersucht worden (Bollig 2011). Es scheint uns hingegen noch wenig reflektiert zu sein, in welchen Beziehungen die öffentliche Schreibpraxis ethnografischer Untersuchungen zu den materialen und medialen Ordnungen der beforschten Felder steht und wie damit zu einem Teil auch die Erwachsenheit von Feldforschenden präfiguriert wird. Empirisch lassen sich aber auch ganz unterschiedliche Tendenzen und Stile ausmachen, wie Ethnografierende ihr Schreiben in der sozialen Praxis, die sie teilnehmend beobachten, körperlich und sozial handhaben. Diese Positionierungen werden von den Akteuren eines Feldes wiederum in spezifischer Weise aufgenommen, zum Gegenstand der Verhandlung oder zum Element von weiteren Praktiken. In unserem Beitrag soll diskutiert werden, in wieweit sich hierin lediglich verschiedene Formen einer erwachsenen Bezugnahme auf Kinder entdecken lassen (etwa Entwicklungswesen vs. kompetente Akteure), oder in wieweit es in diesen Prozessen auch zu Irritationen der generationalen Differenz kommen kann.

Dabei greifen wir auf unterschiedliche Erfahrungen und Feldprotokolle aus einem abgeschlossenen Projekt zu Institutionen der frühkindlichen Bildung und Betreuung in Luxemburg zurück, die das ethnografische Aufzeichnen und seine Effekte selbst zum Gegenstand haben. Methodologisch soll dabei nicht nur die Akteurschaft von Dingen berücksichtigt werden, sondern können auch neo-institutionalistische Ansätze zum Zuge kommen, welche Isomorphien institutioneller Praktiken und Normen verfolgen (etwa die „Objektivität“ des Schriftlichen).
http://hdl.handle.net/10993/22061

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