Reference : Differenzproduktion durch sprachliche Praktiken: Ethnographische Beobachtungen zur Me...
Parts of books : Contribution to collective works
Social & behavioral sciences, psychology : Sociology & social sciences
Arts & humanities : Languages & linguistics
http://hdl.handle.net/10993/20465
Differenzproduktion durch sprachliche Praktiken: Ethnographische Beobachtungen zur Mehrsprachigkeit in luxemburgischen Kinderbetreuungseinrichtungen
German
[en] Language Practices and the Accomplishment of Difference: Ethnographic Observations on Multilingualism in Luxembourgish Early Childcare Settings
Seele, Claudia mailto [University of Luxembourg > Faculty of Language and Literature, Humanities, Arts and Education (FLSHASE) > Integrative Research Unit: Social and Individual Development (INSIDE) >]
2015
Mehrsprachigkeit und (Un-)Gesagtes: Sprache als soziale Praxis in der Migrationsgesellschaft
[en] Multilingualism and what is (not) said about it: Language as a social practice in the migration society
Schnitzer, Anna
Mörgen, Rebecca
Beltz Juventa
153-174
No
978-3-7799-2944-4
Weinheim and Basel
Germany
[en] difference ; language practices ; multilingualism ; ethnography ; Luxembourg ; early childhood education and care
[de] Die Sprachensituation in Luxemburg zeichnet sich durch eine besondere Vielschichtigkeit aus. Über die offizielle Dreisprachigkeit hinaus prägen andauernde Migrations- und Internationalisierungsprozesse die alltägliche Sprachenlandschaft. Die Rolle des Luxemburgischen als „Nationalsprache“ (Chambre des Députés 1984) ist in diesem Zusammenhang sehr ambivalent. Auf der einen Seite wird Luxemburgisch als Hauptträger und Garant für die Kontinuität nationaler Identität und des gesellschaftlichen Zusammenhalts angesehen, auf der anderen Seite steht dem ein Bekenntnis zur historisch gewachsenen sowie gesetzlich verankerten Mehrsprachigkeit als dem bezeichnenden Merkmal Luxemburgs gegenüber (Horner/Weber 2008). Das Spannungsverhältnis zwischen einer monolingualistischen Betonung der luxemburgischen Sprache und einer inkludierenden Auseinandersetzung mit der plurilingualen Realität der Luxemburger Gegenwart reicht von der Ebene gesellschaftlicher Repräsentationen über den Bereich bildungs- und sozialpolitischer Erwartungen bis in die institutionelle Alltagspraxis frühpädagogischer Einrichtungen, wo diese Spannung von den beteiligten Akteuren täglich situationsbezogen bewältigt werden muss.
Vor dem Hintergrund eines kritisch soziolinguistischen Verständnisses von Sprache als lokal situierter, sozialer Praxis (Pennycook 2010) verknüpft der Beitrag methodologische Impulse einer „Ethnographie der Mehrsprachigkeit“ (Heller 2006; Blackledge/Creese 2010) mit einer „Ethnographie der Frühpädagogik“ (Honig/Neumann 2013) um der Frage nachzugehen, wie im Alltag der Betreuungseinrichtungen in und mit sprachlichen Praktiken Pädagogik „gemacht“ wird. Durch den Gebrauch von Sprache zur differentiellen Adressierung und Positionierung sozialer Akteure wird eine institutionelle Ordnung hervorgebracht, in der einerseits Kinder von Erwachsenen unterschieden und als Adressaten pädagogischer Praxis konstituiert werden. Andererseits werden auch Kinder als untereinander different bestimmt, was mit unterschiedlichen Partizipationsmöglichkeiten am institutionellen Alltag verknüpft ist (Neumann 2011, Neumann/Seele 2013). Indem im plurilingualen Setting situativ eine monolinguale Norm durchgesetzt wird, werden einige der Kinder als „anderssprachig“ oder „sprachlos“ positioniert. Anhand ausgewählter Beobachtungsprotokolle kann gezeigt werden, inwiefern für die Kinder dadurch Unsicherheiten generiert werden, welcher Sprachgebrauch jeweils als „legitim“ bzw. „normal“ gilt. Indem die Kinder sich ein praktisches Gespür für den je situationsangemessenen Sprachgebrauch aneignen, lernen sie nicht einfach nur Luxemburgisch oder wie man „richtig“ spricht, sie positionieren sich auch innerhalb einer institutionellen Ordnung und lernen sich als "Kinder in Kinderbetreuungseinrichtungen" zu verhalten.
http://hdl.handle.net/10993/20465

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