Reference : Praktizierte Betreuungsarrangements: ein ethnographischer Zugang zu den diversen Form...
Scientific congresses, symposiums and conference proceedings : Unpublished conference
Social & behavioral sciences, psychology : Sociology & social sciences
Social & behavioral sciences, psychology : Education & instruction
Social & behavioral sciences, psychology : Social work & social policy
http://hdl.handle.net/10993/20397
Praktizierte Betreuungsarrangements: ein ethnographischer Zugang zu den diversen Formen betreuter Kindheit
German
Bollig, Sabine mailto [University of Luxembourg > Faculty of Language and Literature, Humanities, Arts and Education (FLSHASE) > Integrative Research Unit: Social and Individual Development (INSIDE) >]
6-Mar-2015
Yes
No
National
Im Spannungsfeld zwischen Konstruktion und Normativität: Diversität in der Pädagogik der frühen Kindheit. Jahrestagung der Kommission 'Pädagogik der frühen Kindheit' in der DGfE
05-03-2015 to 07-03-2015
Universität Köln
Köln
Germany
[en] Vandenbroeck (2011) unterscheidet drei Zugänge, um Diversität in frühkindlichen Erziehungs- und Betreuungssystemen zu untersuchen. Die erste, die ökonomische Perspektive, ist geprägt durch die Frage nach dem gesellschaftlichen Nutzen von FBBE für benachteiligte Kinder. Forschungsarbeiten rücken hier vor allem die Effekte und die differenzielle Qualität von FBBE-Angeboten in den Fokus. Die zweite, eine erziehungsbezogene Perspektive richtet sich auf die Frage, wie in FBBE-Einrichtungen mit Diversität innerhalb der betreuten Kindergruppe umgegangen wird. Hier geraten insbesondere Fragen nach dem professionellen Umgang mit Differenz und reproduktive Mechanismen in den Blick. Und der dritte Zugang, den Vandenbroeck als soziale Perspektive charakterisiert, fragt danach wie im Zusammenspiel von Wohlfahrtssystemen, familialen Entscheidungen und lokalen Bedingungen der Zugang zu bestimm-ten Betreuungsangeboten reguliert wird und welche Teilnahmechancen sich daraus für Kinder unter-schiedlicher Statusgruppen ergeben (überblick in Vandenbroek/De Visscher/Van Nuffel/Ferla 2008). Diese soziale Perspektive auf Diversität richtet den Blick daher nicht nur auf die Frage der differentiellen Partizipationschancen (Inklusion/Exklusion, ), sondern auch auf die Frage, wie sich im Zusammenspiel von Eltern, Erziehern, lokalem Umfeld, Organisation und Milieu sich lokale Betreuungslandschaften ausbilden, in denen sich vermutlich je eigenständige Differenzlinien in der alltäglichen Konstruktion von Diversität und dem pädagogischen Umgang damit ausbilden (Vandenbroeck 2007).
In dem anvisierten Vortrag möchte ich für eine Forschungsperspektive plädieren, die an diese dritte Perspektive anschließt, ihren Ausgangspunkt jedoch vom Betreuungsalltag von Kindern nimmt. In kind-heitssoziologischer Perspektive geht es dabei darum, die Diversität von Formen ‚betreuter Kindheit‘ von der Position der Kinder aus zu erschließen.
Ein solcher Forschungszugang macht besonders mit Bezug auf super-diverse Gesellschaften (Vertovec 2007) mit heterogenen Kindertagesbetreuungssystemen Sinn, wie es in Luxemburg der Fall ist. Hier gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Angebotsformen für Kinder unter dem schulpflichtigen Alter von 4 Jahren, welche zusätzlich in differente Sektoren frühkindlicher Betreuung und frühkindlicher Erziehung aufgeteilt sind. Insbesondere für Kinder im Alter von 2 bis 4 Jahren bedeutet dies, dass sie häufig nicht nur einzelne Einrichtungen besuchen, sondern ihre Eltern eine Reihe von FBBE-Settings miteinander verknüpfen, um die Tagesbetreuung für ihre Kinder zu gewährleisten. Das führt dazu, dass der Betreu-ungsalltag von Kindern häufig durch das Pendeln zwischen verschiedenen Einrichtungen (bspw. Vorschule und Krippe/Tagesmutter) geprägt ist; zudem unterliegen diese Betreuungsarrangements häufig sys-tembedingten Veränderungen. Von der Alltagsperspektive der Kinder aus betrachtet, differenziert sich das Luxemburger Betreuungssystem entsprechend vor allem in diverse Betreuungsarrangements aus. Diese werden von Eltern in Abhängigkeit von ihren Betreuungsbedürfnissen und -überzeugungen („care beliefs“, Vincent/Braun/Ball 2008, Stefansen/Farenstedt 2010 und den lokalen Bedingungen („local cultures of care“, Holloway 1998) arrangiert und von den Kindern als komplexer Betreuungsalltag prak-tiziert.
Der Vortrag zeigt das Forschungsdesign und erste Ergebnisse aus den Fallstudien des Forschungsprojektes „CHILD – Children in the Luxembourgian Day Care System“ auf, dass derzeit an der Universität Luxembourg durchgeführt wird. In 12 – 15 ethnographischen Fallstudien wird dabei die Genese und das Praktizieren von diversen Betreuungsarrangements von 2-4 jährigen Kindern im Luxemburger Kindertagesbetreuungssystem rekonstruiert um im Detail die Frage beantworten zu können, welche Kinder in Luxemburg welche Formen ‚betreuter Kindheit‘ mit Hilfe welcher Alltagspraxen gestalten.
Die vorgestellten Ergebnisse werden dabei sowohl mit Blick auf die Frage nach der Diversität in Kinder-tagesbetreuungssystemen und den differentiellen Alltagssituationen von Kindern diskutiert, als auch mit Blick auf die Frage welche Konstruktionen des Umgangs mit der super-diversen Situation in Luxembourg in diesen Betreuungsarrangements (re)produziert werden. Der Vortrag zielt darauf, entlang von empiri-schen Beispielen aus der hyper- oder super-diversen Situation im luxemburgischen Betreuungssystem (auch Neumann 2011) aufzuzeigen, wie die Forschung zu den Differenzlinien ‚betreuter Kindheit‘ von einer solchen Forschungsperspektive an der Schnittstelle von wohlfahrts-, kindheits- und praxissoziolo-gischen Zugängen profitieren kann.


Literatur
Holloway, S.L. (1998): Local childcare cultures. Moral geographies of mothering and the social organi-sation of pre-school-education. In: Gender, Place, Culture 5 (1), pp. 29-53.
Neumann, S. (2011): Welche Unterscheidungen machen einen Unterschied? Zur sozialen Selektivität der Sprachverwendung in "Maison Relais pour Enfants". In: Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation (ZSE), 31, 4, S. 349-362
Stefansen, K., Farstadt, G. R. (2010). Classed parental practices in a modern welfare state: Caring for the under threes in Norway. Critical Social Policy 30, 120-141. DOI: http://dx.doi.org/10.1177/0261018309350811.
Vandenbroeck, M. (2007): Beyond anti-bias education: changing conceptions of diversity and equity in European early childhood education. European Early Childhood Education Research Journal, 15(1), 21-35.
Vandenbroeck, M. (2011). Participation in ECEC Programs. Equity, Diversity and Educational Disad-vantage. Baker, E., McGaw, B., Peterson, P. (eds.): International Encyclopedia of Education. 3rd Edi-tion. Oxford: Elsevier
Vandenbroeck, M., De Visscher, S., Van Nuffel, K., Ferla, J. (2008). Mothers’ Search for Infant Child Care: The Dynamic Relation between Availability and Desirability in a Continental European Welfare State. Early Childhood Research Quarterly 23 (2), pp 245-258. DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.ecresq.2007.09.002.
Vertovec, S. (2007) Super-diversity and its implications. Ethnic and Racial Studies. Special Issue: ‘New Directions in the Anthropology of Migration and Multiculturalism’, 30 (6), 1024-1054
Vincent, C., Braun, A., Ball, S. J. (2008). ‘Childcare, Choice and Social Class: Caring for Young Children in the UK’. Critical Social Policy 28 (1), 5–26. DOI: http://dx.doi.org/ 10.1177/0261018307085505.
http://hdl.handle.net/10993/20397

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